Usedom im Frühling
Usedom ist bekannt durch die drei Hauptorte im Osten der Insel, durch Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck. Die Orte gehen ineinander über und haben eine ca. 6 km lange Promenade und drei Seebrücken. Die vor über 100 Jahren im Stil der Bäderhausarchitektur entstandenen Häuser machten vor 15 Jahren oft einen trostlosen Eindruck. Der Zahn der Zeit nagte überall. Heute erstrahlen sie wieder im Glanze ihrer ersten Jahre. Der Schwung der Nach-wendezeit rettete diese Schmuckstücke, die wunderbar zur Ostsee und zu den dahinter liegenden Wäldern passen.
Aber Usedom besteht nicht nur aus den „drei Kaiserlichen“, Usedom ist zuallererst eine traumhafte Naturinsel. Sie bietet Wasser an ihren Küsten und im Inneren. Denn in den manchmal hügeligen Landstrichen – es gibt sogar eine Usedomer Schweiz – finden wir nicht selten kleine, verträumte Seen. Aus dem reichen Naturschatz der Insel nehme ich nur zwei: Einmal das Achterwasser, es trennt die Insel vom Festland, und zum anderen die Halbinsel Gnitz.
Eine Schiffstour auf dem Achterwasser sollte kein Usedom-Besucher versäumen. Ruhig gleitet das Schiff über das flache Boddengewässer. In nicht allzu weiter Ferne zieht Usedoms Panorama vor den Augen des Betrachters vorüber. Kleine schmucke Dörfer mit einem Hafen, Wiesen, die, leicht ansteigend, bis an die Buchenwälder führen. Hier merkt man, dass das Wichtige oft gar nicht so wichtig ist. Entspannung ist angesagt und Usedoms Kulisse führt zu ihr. Klar, dass auch wir uns diesen Seelen- und Augenschmaus nicht entgehen lassen werden, zumal Zinnowitz über einen Achterwasser-Hafen verfügt und wir somit fast zu Hause sind.
Zwischen Zinnowitz, unserem Lebensmittelpunkt während dieser Reise, und den schon vorher erwähnten drei Kaiserbädern liegt ungefähr 25 Kilometer Küstenlinie, wie sie schöner und abwechslungsreicher kaum sein kann. Buchenwälder, die nicht enden wollen, eingeschlossene kleine Seen und Ausblicke vom steilen Ufer auf die Ostsee, die sich immer anders präsentiert. Mal in einem kräftigen Blau anrollend, mal in einem dunklen Grau. Manchmal gefällt es ihr, still zu sein und sich glatt wie ein Spiegel zu zeigen. Oder sie wählt etwas dazwischen, Möglichkeiten hat sie schließlich genug.
Wir können uns glücklich schätzen mit dem Rad unterwegs zu sein und zu dürfen und zu können, denn zu allen Orten dieser traumhaften steuern wir unsere Räder. Dabei könnte man doch bei dem Maler Otto Niemeyer-Holstein vorbei schauen und sich von seinen Bildern und seinem Garten verzaubern lassen. Vor dem Krieg, in den 30-iger Jahren, ist Niemeyer-Holstein von Berlin nach Usedom „ausgewandert“. Dies machte er, um aus dem Blickfeld der Nationalsozialisten zu entkommen. An dieser Stelle, wo die Insel nur ca. 300 Meter breit ist, strandete er auf seiner Landscholle, die noch keinen Namen hatte. Er dachte sich, „Lüttenort“ wäre passend, und heute wissen wir, dass es keine bessere Umschreibung für diesen Ort geben könnte. Lüttenort passt zu der Lebensgeschichte von Otto Niemeyer-Holstein und zu diesem Eiland zwischen Achterwasser und der Ostsee.
Das zweiten Beispiel aus der vollen Naturschatzkiste Usedoms darf auf keinen Fall unterschlagen werden: Wie eine Nase ragt die Halbinsel Gnitz in das Achterwasser und in die Peene hinein. Jenseits des Stromes, der Peene, erkennt man schon das Städtchen Wolgast mit der Werft und der blauen Brücke, die das Festland mit der Insel verbindet. Eine Einheit aus Wasser, aus Wiesen und Weiden auf leicht hügeligem Grund und einem urwüchsigen Wald an der Nasenspitze, so könnte man Gnitz vielleicht beschreiben. Ein Kleinod zum Verweilen. Mit den eigenen Sinnen erleben ist doch das Beste. Dabei sollte man durchaus des Öfteren seine Blicke gen Himmel heben, denn die Chance, hier den König der Lüfte zu erleben, gemeint ist der Seeadler, ist groß. Einige Male durfte ich schon die Halbinsel besuchen und fast immer hatte ich das Glück, einen oder mehrere dieser wundervollen Tiere, die hier und auf Usedom allgemein ideale Lebensbedingungen vorfinden, zu sehen.
Wie schon erwähnt werden wir in Zinnowitz wohnen. Im „Preußenhof“, direkt an der Promenade und der Seebrücke. Das Hotel verfügt über einen großen Wellness-Bereich mit angeschlossenem Badebereich. Also, an Badesachen denken! Zinnowitz liegt langgestreckt an der Ostseeküste und wird links und rechts von herrlichen Wäldern begrenzt. Im Rücken des Ortes beginnt die Halbinsel Gnitz. Im Ort, besonders in Strandnähe, ist nichts eng: Der breite Strand wird von einem parkähnlichen Promenadenbereich abgelöst. Auch in Zinnowitz war man schlau und hat die Häuser mit den Holzveranden und die Villen nicht abgerissen, obwohl sie manchmal schon sehr hinfällig wirkten. Auch sie erstrahlen heute wieder in den schönsten Farben und haben ihren Charme zurück erhalten. Die Gebäude der Bäderhausarchitektur gehören unverwechselbar zu dem, was Usedom ausmacht.
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