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4. Tag: Heiddorf - Rühstätt

Die Schmölener Wanderdünen sind unser erstes heutiges Ziel. Obwohl hier an der Elbe und Löckwitz der Wind überwiegend aus westlicher Richtung weht, lassen sich die Dünen nicht beirren: Sie wandern trotzdem gen Westen. Von diesem imposanten Naturgebilde hat man einen herrlichen Blick auf die Niederung der Löcknitz und weiter zur Elbe mit ihrem bewaldeten Westufer. Bedingung: kurzer, sandiger Anstieg zum Gipfel der Düne auf einem hergerichteten Weg.

Bevor wir die Elbseite bei Lenzen wechseln, durchradeln wir den kleinen Ort Eldenburg. Ein strategischer Ort mit einer interessanten Geschichte. Denn hier, wo die ursprüngliche Elde in die Löcknitz mündet, befand sich seit ältester Zeit eine Burg, die die Handelswege zu Wasser und zu Lande von Mecklenburg in die Prignitz kontrollierte. Seit dem 15. Jh. saßen hier die Quitzows, eine Raubritterfamilie übelster Sorte. Rigoros und menschenverachtend gingen sie bei der Eintreibung der Weggebühren vor und saugten das Land aus.

Ein Zeugnis aus der Raubritterzeit ist in Eldenburg noch gegenwärtig. Mittels des sogenannten „Quitzowstuhls“ wurden reiche Kaufleute und andere hochvermögende Herren „sicher verwahrt“ und erst wieder auf freien Fuß gesetzt, wenn das geforderte Lösegeld bezahlt war. Den bedauernswerten Geiseln wurden Ketten um die Hüfte sowie um die Füße und Arme gelegt. Nicht zu brechenden Halt fanden die Ketten im starken Mauerwerk des Turmes, in dem der Marterstuhl stand. Mit ausgebreiteten Armen – der eine links und der andere rechts an den Turmsteinen befestigt – mussten die Gepeinigten, die gerade noch friedlich die Straße entlang gezogen waren, auf ihre Befreiung warten.

In friedlicher Absicht radeln wir weiter und überqueren bei Lenzen die Elbe. Entlang der Elbe und durch das schöne Elbholz geht es nach Schnackenburg und weiter nach Wittenberge. Besonders urwüchsig sind die Landschaften hier, denn hier übersprang die innerdeutsche Grenze die Elbe und auch das Westufer gehörte zum Staatsgebiet der ehemaligen DDR.

Bedrückend ist die Vergangenheit in dieser Region. Schauen wir lieber nach vorn und ab und zu auch mal nach oben. Die Störche kommen ins Bild und werden uns bis zum Ende der Woche begleiten. Am Abend haben wir dann deren Hauptstadt, das Storchendorf Rühstädt, erreicht.

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