Lüneburger Heide

Die Erklärung, die Heideflächen seien durch die Abholzung der Wälder in diesem Gebiet der norddeutschen Tiefebene entstanden -- man brauchte schließlich Brennmaterial zur Befeuerung der Salzöfen -- ist inzwischen nicht mehr neuster Kenntnisstand. Denn die Heide misst ca. 7000 qkm und 50 qkm hätten hierfür ausgereicht.
Man glaubt heute, dass das Holz aus der Gegend des Schaalsees bzw. aus Mecklenburg gekommen sei. Der wesentlich billigere Transport über die vorhandenen Wasserwege hätte hier den Ausschlag gegeben. Tatsächlich gibt es noch Lieferscheine aus dieser Zeit, die dies bezeugen können.
Einen entscheidenden Beitrag zum heutigen Aussehen der Landschaft rund um den Wilseder Berg lieferte die ortsgebundene Bauernwirtschaft, etwa ab dem 10. Jahrhundert. Die Böden waren so arm, dass man gezwungen war, die Grasplaggen im großen Stil abzutragen, um damit Äcker, die sich in der Nähe des Hofes befanden, anzureichern, damit überhaupt Getreide wachsen konnte. Die Grasplaggen wurden zunächst als Streu in die Viehställe gebracht und anschließend auf den zu bewirtschaftenden Boden, jetzt angereichert mit dem Dung der Tiere, ausgestreut. Das dauernde „Abschälen“ des Oberbodens entzog fast allen Pflanzen die Lebensgrundlage. Doch auch in diesem Fall gab es Profiteure. Die Besenheide gab sich mit dem Geestsand zufrieden und wuchs ungehemmt; der Gemeine Wacholder tat es ihr gleich.
Das Ende der bäuerlichen Plaggenwirtschaft kam dann Anfang des 19. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit zog es niemanden in die Einsamkeit dieser tristen Landschaft. Doch alles ändert sich ständig. Fünfzig Jahre später tauchten erstmals positive romantische Beschreibungen und auch Bilder von der Lüneburger Heide auf. Zu nennen ist neben dem Heidemaler Eugen Bracht an dieser Stelle natürlich der Heidedichter Hermann Löns. Menschen die hier lebten, wie z. B. der Heidepastor Bode aus Egestorf, erkannten den schützenswerten Charakter dieser wunderschönen Landschaft und setzten sich energisch für sie ein. Zum Glück für die angespannten Stadtmenschen unserer Zeit, denn hier kann man doch zur Ruhe kommen und Wichtigkeiten neu einordnen.
Für zwei Tage wird das Kerngebiet der Heide, der Naturschutzpark, unsere Radelbühne sein. Da wir am Rande der Heide wohnen und es bis nach Lüneburg nur ein Katzensprung ist, nehmen wir uns auch Zeit und Muße, um diese wunderschöne norddeutsche Stadt zu besuchen. Unter der Stadt lag und liegt das weiße Gold. Salz, im Mittelalter mit Gold aufgewogen, wurde von den Fischereiländern der Ostsee gesucht. Denn es ermöglichte die Konservierung der Fischfänge. Die Lüneburger arbeiteten in Sudhütten bzw. Siedehäusern, um den an die Erdoberfläche gespülten Salzsud so lange zu sieden, bis sich das Wasser verflüchtigt hatte und das reine Salz übrig war. Verpacken und Abtransport waren die nächsten Schritte. Einige Bürger der Stadt wurden über alle Maße reich und bauten sich prächtige Wohnsitze. Das Antlitz des heutigen Lüneburg spiegelt den mittelalterlichen Reichtum wieder.
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