2. Tag: Ausgebeutete Landstriche - und alles kann gut werden
Wir radeln heute morgen auf einem anderen Weg nach Dessau, durchqueren dabei einen typischen Elbauenwald (hier befindet sich die Biosphärenverwaltung Mittlere Elbe mit einer Biberfreianlage) und streben in Dessau dem Bahnhof entgegen, denn wir fahren per Bahn nach Bitterfeld. Dort radeln wir zunächst zur ”Goitzsche” und stehen am Rand einer riesigen Grube, die inzwischen mit Wasser gefüllt ist. 80 Jahre hat man die Erde herausgefördert und die Braunkohle von ihr getrennt (Verhältnis ungefähr 1 zu 5). Unvorstellbare 317 Millionen Tonnen Braunkohle wurden gewonnen. Die Ausbeutung ist vorüber und Schaufelbagger sind nicht mehr zu sehen. Bürger und Politiker sehen in den Gegebenheiten eine Chance zur Neugestaltung und was möglich ist werden wir unterwegs sehen, wenn wir entlang des Muldenstausees radeln oder vielleicht im Bergwitzsee baden. Mit dem Wasser der Mulde gelang die Verwandlung. Aus der Goitzsche ist das „Bitterfelder Meer“ geworden. Nur für kurze Zeit, denn angesichts der vielen Tonnen Bernstein, die zur Zeit der Braunkohleförderung mit ans Tageslicht kamen, erfand man einen neuen Namen: Bernsteinsee, klingt nicht schlecht. Um Bitterfeld herum gab es viele solcher Braunkohlelöcher. Sie sind verschwunden, um einer wunderschönen Seenlandschaft platz zu machen.
Wem die Goitzsche noch nicht gigantisch genug war, dem kann geholfen werden. Nach kurzer Radeltour sind wir im ehemaligen Tagebau ”Golpa-Nord”, in der Nähe von Gräfenhainichen. Die tiefe Grube hat eine West-Ostausdehnung von ca. 5 km und misst in der Senkrechte glatt die doppelte Entfernung. Es gibt so etwas wie eine Halbinsel in der Mitte der Grube, die sich aus ihr erhebt. Oben thronen ”Mad Max, ”Medusa”, Mosquito”, ”Gemini” und ”Big Wheel”. Sie, es handelt sich um Tageabbaugroßgeräte, ruhen aus, denn die Arbeit ist getan und die Erde hat hier keine Braunkohle mehr zu bieten. In der Nähe der Bagger ist eine Freiluftarena, deren Ausmaße - immerhin nimmt sie 20 000 Menschen auf - nicht hinter die der Grube zurück stehen. Während einer beeindruckenden Führung, kein Wunder bei der Kulisse, werden wir eintauchen in das Vergangene und natürlich auch in die Zukunft. Die Zukunft bedeutet: Wasser wird die Mondlandschaft zudecken und Großartiges wird in der Arena - an deren Ränder die alten Bagger wachen - zu sehen sein (im Jahre 2000 fanden u. a. ein Konzert mit Mikis Theodorakis aus Anlass seines 75. Geburtstags und eine Veranstaltung mit Ute Lemper, die ein Kurt-Weill-Programm präsentierte, statt. Herausragendes Ereignis in 2002 war ein Konzert mit Peter Maffay). Wir verlassen Ferropolis - die Stadt aus Eisen - und radeln in Richtung Norden und freuen uns schon auf unserer schönes Zuhause in Wörlitz.
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