6. Tag: Durch die Ruppiner Schweiz und zurück nach Neuruppin
Um die Schönheit der Ruppiner Schweiz, durch die wir heute radeln, ausreichend zu beschreiben, müsste man ein Künstler sein. Ein Künstler, wie es Theodor Fontane war, der in Worten diese bezaubernde Landschaft nachmalte. Ein Flüsschen namens Rhin schlängelt sich von Rheinsberg kommend durch eine hügelige Landschaft in Richtung Neuruppin. Dabei bildet er mehrere Seen, an dessen Ufern ab und zu kleine Dörfer zu entdecken sind. Wälder so weit das Auge reicht, frisches, lebendiges Wasser, Förstereien und Wassermühlen bilden ein einzigartiges Ensemble. Nehmen wir beispielsweise den Weg entlang des Zermützelsees, der zum Dorfplatz des kleinen Ortes Zermützel führt. Es geht ein wenig rauf und runter, was uns aber nichts ausmacht, da man schiebend und manchmal stehenbleibend einen noch größeren Genuss hat. Welch herrliche Aussichten auf die nicht enden wollenden Waldseen! Ein Seenparadies im ursprünglichen Zustand, wobei ich natürlich weiß, dass alles in Veränderung begriffen ist. Wir sehen sozusagen auf die Reste der letzten Eiszeit und sie reichen im Übermaße aus, um eine traumhafte Landschaft zu modellieren. Die Menschen, die hier leben, haben sich den Gegebenheiten angepasst und wohnen in kleinen einfachen Häusern, oft in Hanglage, am See. Jetzt im Frühjahr ist viel zu tun. Man sieht sie bei der Gartenarbeit, umgeben von den leuchtenden Boten dieser schönen Jahreszeit. Alles ist einfach und klein. Die Zeit scheint stehengeblieben zu sein. Und jetzt denke ich doch an die genialen Landschaftsbeschreibungen, die Fontane von seiner Heimat überlieferte und stelle fest: Es ist vieles noch wie zu Fontanes Zeiten, die Schönheit der Ruppiner Schweiz hat sich über Jahrhunderte erhalten. Fontane wandte viele Gedanken auf, um heraus zu bekommen, wo es nun am schönsten sei. Das Ergebnis seines Nachdenkens darf ich an dieser Stelle zitieren:
Und fragst du doch; den vollsten Reiz, wo birgt ihn die Ruppiner Schweiz?
Ist’s norderwärts in Rheinsbergs Näh? Ist’s süderwärts am Molchow-See?
Ist’s Rottstiel tief im Grunde kühl? Ist’s Kunsterspring, ist’s Boltenmühl?
Ist’s Boltenmühl, ist’s Kunsterspring, birgt Pfefferteich den Zauberring?
Ist’s Binnenwalde?
Nein, o nein, wohin du kommst, da wird es sein, an jeder Stelle gleichen Reiz,
Erschließt dir die Ruppiner Schweiz.
Bevor wir an diesem Morgen in die Pedalen treten, wollen wir während einer Führung etwas über Neuruppin erfahren. Theodor Fontane ist hier geboren worden. Doch Neuruppin darf sich noch eines weiteren großen Künstlers rühmen. 1781, und damit knapp 40 Jahre vor Fontanes Geburt, erblickte in dieser Stadt der unübertroffene Baumeister der Preußen, Karl-Friedrich-Schinkel, das Licht der Welt. Auch der junge Kronprinz Friedrich lebte vor seiner Rheinsberger Zeit in Neuruppin und befehligte sein erstes Regiment. Viel Stoff also für eine interessante Stadtführung. Hiernach folgt dann die Pedalreise durch die schönsten Regionen der Ruppiner Schweiz, die sich vorzugsweise an den östlichen Ufern der vielen Seen befinden. Zurück geht es dann mit einem Schiff der Weißen Flotte, was bedeutet, dass der unübertroffene Genuss dieser Naturtraumlandschaft noch einmal an uns vorüberzieht.
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