5. Tag: Von Rheinsberg nach Neuruppin
Erster Programmpunkt des heutigen Tages, ist – wie schon angekündigt – der Besuch des Rheinsberger Schlosses. Von den vier Söhnen des Soldatenkönigs verbrachten die zwei bekanntesten, nämlich der Kronprinz Friedrich und dessen 14 Jahre jüngerer Bruder Prinz Heinrich, hier Jahre ihres Lebens. Friedrich zwar nur vier, dafür aber Prinz Heinrich über 50.
Als Beweis für die Zufriedenheit, mit der Friedrich auf die Rheinsberger Zeit zurück sah, nehmen wir folgende Bemerkung von ihm: „Das Unglück hat mich immer verfolgt. Ich bin nur in Rheinsberg glücklich gewesen.“ Der eigentliche Herr von Rheinsberg ist jedoch Prinz Heinrich. 1744 schenkt Friedrich seinem Bruder Heinrich, mit dem er viele Gemeinsamkeiten teilt, das Schloss. Bis zu seinem Tod im Jahre 1802 wohnte Heinrich in den Gemäuern des Schlosses. Er war ein verheirateter Junggeselle. 1752 wurde er genötigt, Wilhelmine von Hessen-Kassel zu heiraten. Trotz der Schönheit dieser Frau, der Hofstaat titulierte sie mit „die schöne Fee“ oder die „Göttliche“, verschmähte Heinrich sie bald und schickte sie nach Berlin, wo sie fortan in einem Palais in der Berliner Prachtstraße „Unter den Linden“ wohnte. Ähnlich machte es ja auch der königliche Bruder. Weitere Gemeinsamkeiten gefällig? Beide liebten sie die französische Sprache, beherrschten sie sogar besser als die deutsche. Beide liebten sie die Musik und spielten ein Instrument. Beide fühlten sich in Männerkreisen viel wohler, als unter Frauen. Beide liebten ein und denselben Pagen.
Bei den vielen Kriegen, die sein Bruder anzettelte, war Prinz Heinrich oft als Befehlshaber, allerdings unter Oberbefehl des Königs, dabei. Wie zu lesen ist, missfiel Prinz Heinrich die Kriegsführung des Bruders, der bei seinen siegreichen Schlachten oft mehr Verluste hinnehmen musste als der Gegner. Prinz Heinrich lebte bis zu seinem Tod, wie gesagt, in Rheinsberg, immer im Schatten seines übermächtigen Bruders im fernen Potsdam. Fontane wünschte sich, dass dem „klugen, geistvollen Prinzen“ endlich Gerechtigkeit und Anerkennung widerfahre.
Radelnd lassen wir Rheinsberg hinter uns und erfreuen uns an der Landschaft, die immer schöner wird. Denn wir radeln jetzt in den nördlichen Teil der Ruppiner Schweiz, die sich zwischen Rheinsberg und Neuruppin erstreckt. Die Felder schwinden und der Wald wird dichter. Der Wald, der alles schützt, lässt uns teilhaben an seinen Schätzen und zeigt uns gleich zu Anfang ein Juwel. Er ist nur einer von vielen Seen der Ruppiner Schweiz, aber ein besonderer. Glasklares, kühles Wasser hat der Kalksee, an dessen gegenüberliegendem Ufer sich die wenigen Häuser von Binenwalde schmiegen, und er kennt die Liebesgeschichte vom Kronprinzen Friedrich und der schönen Tochter des Försters von Binenwalde.
Von Rheinsberg kommend trieb die Liebe den Kronprinzen an das Ufer des Kalksees. Ein verabredetes Zeichen hinüber zum Forsthaus, welches mitten im See auf einer Insel stand, genügte und schon setzte sich ein Boot in Bewegung, das genau auf den wartenden Friedrich zusteuerte. Kaum angelegt, warf sich die wertvolle Fracht, die schöne Sabine von Binenwalde, in die Arme des späteren Königs. Alles geschah in der Stille und Einsamkeit des Waldes und sollte nicht unbedingt nach Rheinsberg vordringen. Immerhin war Friedrich schon verheiratet.
Auch wenn wir Radler und Radlerinnen auf das Liebesgefühl der Glücklichen an dieser Stelle leider verzichten müssen, so bleibt uns doch wenigstens der See mit seiner Stille und Einsamkeit. Ganz so einsam ist es doch nicht, denn bald werden wir eine schöne Gaststätte erreichen, die eine Mittagspause mit einem kleinen Imbiss ermöglicht. Fast überflüssig zu erwähnen, dass sie sich an einem herrlichen Waldsee befindet. Auf der westlichen Seenseite radeln wir anschließend nach Neuruppin, wo wir in einem kleineren Hotel Quartier nehmen.
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