1. Tag: vom Brandenburger Tor nach Basdorf
Als Zufluchtsort, der Freiheit versprach, muss den Bewohnern der ehemaligen DDR Westberlin vorgekommen sein. Obwohl direkt vor ihrer Haustür, lag der Ort fern und unerreichbar. Eine menschenverachtende Mauer mit Stacheldraht obendrauf und von Gewehren bewacht versperrte den Weg von Brandenburg oder Ostberlin nach Westberlin. Die Mauer zerriss, wie wir alle wissen, innerhalb weniger Stunden das, was in Jahrhunderten gewachsen war. Familien und Bekanntschaften wurden brutal getrennt. Für viele gab es kein Wiedersehen mehr. Unter Einsatz ihres Lebens riskierten immer wieder Menschen die Flucht von Ost nach West, und fanden nicht selten den Tod.
Heute können wir glücklicherweise sagen: Der Spuk ist vorüber. Die Mauer ist weg und alle Menschen können sich frei bewegen in Ost- und Westberlin und natürlich auch in Mecklenburg, in Brandenburg und überall. Ein großes Geschenk, dessen wir uns alle bewusst sein müssen. Wir radeln heute entlang der ehemaligen Mauer (auf dem sogenannten Mauerradweg), die an jeder Ecke Einblicke ins Geschehene vermittelt. Viel Bedrückendes ist dabei. Wenn man mit dem Rad durch diese Stadt fährt, dann kann man es nicht übersehen, es gehört dazu. Wir radeln auch entlang der Bernauer Straße, deren Straßenseiten durch die Mauer getrennt waren. Mittels gegrabener Tunnel gab es hier spektakuläre Fluchten, sozusagen von einer Straßenseite zur anderen. Unser Weg führt uns auch zum Sportpark Friedrich-Ludwig-Jahn mit dem gleichnamigen Stadion.
Zu DDR-Zeiten spielte im Ludwig-Jahn-Stadion der BFC Dynamo Berlin. Es war der Lieblingsclub von Erich Mielke, einem üblen Gesellen und gleichzeitig Leiter des Ministeriums für Staatssicherheit in der DDR. Erfolgreicher war mit dem 1. FC Union aus Köpenick ein Club, der von den DDR-Oberen mit Argwohn betrachtet wurde. Der Verein wurde vom FDGB unterstützt und die Fans trauten sich einiges. Es kam vor, dass im heimischen Stadion Sprechchöre zu hören waren wie: „Die Mauer muss weg“. Auch wenn Mielke den FC Union nicht mochte, für deren gute Spieler sah er ein neues Betätigungsfeld und mit seiner Staatsallmacht versetzte er sie zwangsweise zu „seinem“ BFC Dynamo. Im Gegenzug bekam Union die Reservespieler von Dynamo. Es half aber alles nichts, denn Union, bzw. Eisern Union, wie die Fans ihren Verein rufen, spielt heute immerhin in der Regionalliga Nord und Dynamo unterklassig im Berliner Umland. An den bekanntesten Fan von Eisern Berlin sei noch erinnert, es ist Nina Hagen, die ab und zu das Vereinslied („ wir aus dem Osten....“) zum Besten gibt.
Kurz vor Pankow verlassen wir dann den Mauerradweg und radeln ins Grüne. Fürs frische Grün sorgt das wenige Wasser der Panke, die uns jetzt viele Kilometer, fast bis zum Hotel in Basdorf, begleiten wird.
| Zurück: Die Berliner Runde | Weiter: 2. Tag: Durch die Wandlitzer Seenplatte |
Home